Sabine Gerdes, Hamburg, Gummibären-Institut, 1997
Bisherige Untersuchungen der Gummibären-Forschung befaßten sich im wesentlichen mit der Spezies Ursus elasticus vulgaris in ihrer isolierten Existenz, ohne insbesondere auf ihre psychologische Bedeutung für die Spezies Homo sapiens erectus einzugehen. Neuere Untersuchungen der Verfasserin (S. Gerdes, Gummibären und parapsychologische Phänomene, Hamburg, 1997) stellen erstmals in wenigen Punkten fest, daß die Existenz des Homo sapiens erectus und des Ursus elasticus vulgaris nicht isoliert betrachtet werden können.
Testuntersuchungen wurden vorgenommen mit 437 Personen der Spezies Homo sapiens erectus und 874 Tüten handelsüblicher Größe (siehe H. Gerdes: Einfluß der Tütenzugehörigkeit auf das Sozialverhalten der Gummibärchen, Bonn, 1996).
Der Homo sapiens erectus ist unbestrittenermaßen in zwei seiner bedeutendsten Unterformen erkennbar: Homo faber und Homo ludens
Beide sind von ihrem äußeren Erscheinungsbild her nicht sofort klassifizierbar. Erst differenzierte Untersuchungen unter Testbedingungen konnten eindeutige Klassifizierungen vornehmen. Erste Ergebnisse lassen die Existenz von Mischformen vermuten, je nach Dominanz, z.B. Homo faber et ludens oder Homo ludens et faber. Unter Testbedingungen wird jedoch bald deutlich, daß es sich hier um Tarnformen handelt. Die Tarnfarm wurde entwickelt, um menschliche Beziehungen der Spezies Homo sapiens erectus untereinander, sei es zum Arbeitgeber oder zum Lebensabschnittspartner, nicht zu gefährden. So kann der Homo faber durch eine zur Schau getragene Spielleidenschaft (beliebt sind hier Doppelkopf, Computer-Spiele usw.) seine Zugehörigkeit zur Spezies Homo ludens vortäuschen. Der Homo ludens wiederum täuscht vor, der Spezies Homo faber anzugehören, indem er wissenschaftlich anerkannte Zeitschriften abonniert, Neuerscheinungen von Sachbüchern sofort erwirbt usw. Erst Testuntersuchungen in ihrer Beziehung zur Spezies Ursus elasticus vulgaris ermöglichten eine eindeutig Zuordnung. Die Testuntersuchungen ergaben zudem die Unabhängigkeit der Zugehörigkeit zum Homo faber/ Homo ludens von Alter, Einkommen, Bildungs- und Familienstand.
Der Homo faber ißt Gummibären jedweder Größe und Farbe. Er ißt sie auch aus Integrationstüten mit Colorado-Konfekt. Er ißt sogar andere Formen elastischer, kaufähiger und geschmacklich aufbereiteter Masse. Er ißt einfach so vor sich hin. In der Regel ißt er am liebsten, während er sich der Tätigkeit am Computer hingibt oder fernsieht. Selbst seichte Soap Operas, sofern er sie aufgrund einer menschlichen Beziehung (siehe 1.) erduldet, werden von ihm linkshemisphärisch verarbeitet. Gibt er sich vordergründigen Spielereien wie dem Doppelkopf hin, neigt er eher zu Pistazien oder in seiner einfachen Form auch zu Erdnüssen. Dem Homo faber begegnet immer wieder folgendes Phänomen: Plötzlich ist die Tüte leer. Die Ergebnisse der Testuntersuchungen belegen, daß er die Gummibären nicht in ihrer realen Existenz wahrgenommen hat und transparente Gummibären insbesondere in seiner Gegenwart zur Auflösung tendieren.
Der Homo ludens ißt Gummibären aus den handelsüblichen Tüten der ursprünglichen Originalerscheinungsform mit Bedacht. Der Homo ludens ißt sie nicht aus Integrationstüten, dies kann maximal in seiner Tarnform auftreten. Er ekelt sich vor anderen Formen elastischer, kaufähiger und geschmacklich aufbereiteter Masse. Er geht sofort bei visueller Wahrnehmung der Tüte und insbesondere nach taktiler Wahrnehmung des Inhalts spielerische Beziehungen zur Spezies Ursus elsticus vulgaris ein. Er baut in Gedanken Spielebenen in der Beziehung zum Tüteninhalt auf. Dies wird insbesondere deutlich bei der Farbauswahl. Der Homo ludens ißt eine Farbe zuerst oder eine zum Schluß. Eine weitere Variante ist der Griff zu mehreren Gummibären, die einer ausgewählten Farbkombination zugehören. Der Homo ludens ißt Gummibären in jeder Lebenssituation.
Die Existenz von Gummibären ist von grundlegender Bedeutung für das Zusammenleben der Spezies Homo sapiens erectus.
Dem Homo faber ermöglicht die Existenz von Gummibären zeitweise den Zutritt zur Spezies Homo ludens. Dies ist besonders in der gesamten Werbe- und Medienbranche von Bedeutung und wird vom Management gezielt eingesetzt, um das Vertrauen des kreativ arbeitenden Personals zu erlangen.
Der Homo ludens ermöglicht über die Kontaktbrücke "Gummibärchen" dem Homo faber das Gefühl, er dürfe Zugang zu spielerischen und kreativen Welten haben.
Die Farbauswahl der Gummibären ist - wie unsere Testreihen zeigten - das sicherste Indiz für die Zuordnung des Homo sapiens zum Homo faber und Homo ludens.
Bei der Spezies Homo ludens ist nach den bisherigen Ergebnissen von einer zufälligen Farbauswahl auszugehen, obwohl die transparenten Gummibären von 63% der Spezies zum Schluß oral verwendet werden. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob es sich hier ausschließlich um eine Verweigerung von Seiten der Gummibären handelt. Hinzukommend wurde auch die atmosphärische Auflösung transparenter Gummibären beobachtet (S. Gerdes, Gummibären und parapsychologische Phänomene, Hamburg, 1997).
Die Spezies Homo ludens ergreift gezielt, einem Spieltrieb folgend, ausgewählte Farbkombinationen oder vernichtet eine Colorations-Population zuerst. Das Verhalten zur Farbauswahl ist abhängig vom Spielfeld und -inhalt. Die atmosphärische Auflösung transparenter Gummibären wurde in keinem Fall beobachtet. Interessanterweise wurde in wenigen Fällen ein blauer Gummibär gefunden, der beim Homo faber in keiner Testphase auftrat.
Hier kann kein wertbares Testergebnis veröffentlicht werden, da die Situation nicht für die Testphase von 3 Wochen herstellbar war.
Vor Beginn der Untersuchungsreihe wurde dies insbesondere in Bezug auf den Homo faber als problemlos herstellbar vermutet. Es stellten sich jedoch schon bei der Erläuterung der geplanten Testsituation panikartige Reaktionen beim Homo faber ein. Alle Testpersonen fühlten ihre Existenz aufs Äußerste bedroht und reagierten mit Noteinkäufen.
Die zur Spezies Homo ludens zählenden Testpersonen reagierten vergleichsweise gelassen auf die Erläuterung der Testsituation. Im Ergebnis stellte sich jedoch heraus, daß sie die unterschiedlichsten Verstecke im Bereich ihrer Kleidung zur Unterbringung von Gummibären gefunden hatten, z.B. im Rock- oder Mantelsaum, Geheimfächer in Hüten, Mützen, Armbanduhren, Kondomverpackungen usw.
Ausgehend davon, daß die Versuchsreihe ,,Existenz des Homo sapiens erectus ohne Gummibären,, mit unterschiedlichen Testpersonen in keiner Phase installierbar war, bleibt zu erforschen, ob den Gummibären eine besondere Bedeutung auf dem Weg der Entwicklung ins 21. Jahrhundert zuzuschreiben ist. Da Gummibären die Grundlage der Kommunikation zwischen Homo faber und Homo ludens darstellen, bleibt die Frage offen, ob sie die Kommunikationsbrücke bei vermehrten Heimarbeitsplätzen, dem Outsourcing einzelner Betriebsbereiche, aber auch der nicht unproblematischen Situation innerhalb der noch traditionellen Familienkonstrukte bilden.
Festzustellen ist, daß Gummibären eine größere Bedeutung als bislang angenommen zukommt.
Hier ist zudem anzumerken, daß für die Kommunikation zwischen Homo ludens/ Homo faber und Internet ebenfalls die entscheidende Kommunikationsbrücke bei den Gummibären zu finden ist. Dies bedarf insbesondere einer speziellen Untersuchung der Internet-User.