Populationsentwicklung und Vermehrungsbiologie

bei Gummibären

Einleitung / Problemstellung:

In dieser Studie soll der Aspekt der Vermehrung bei Gummibärchen untersucht werden. Obwohl Gummibärchen sich augenscheinlich nicht vermehren, und man auch keine trächtigen weiblichen Bären in der Tüte antreffen konnte, scheint die Gesamtpopulation trotz massiver Zugriffe durch den Menschen insgesamt nicht kleiner zu werden.

Material und Methoden:

Als Untersuchungsobjekt dienten eine Stichprobe von 50 Tüten der Art "Haribo". Die Individuen, die aus roten, gelben, grünen, weißen und orangen Bärchen bestanden (zum Faktum der Nicht-Vermischung der Farben siehe den Beitrag von Kavsek, 1996), wurden über einen Zeitraum von 4 Wochen sowohl in Labor- als auch in Feldversuchen beobachtet. Die DNA der Bärchen wurde mit Ehidiumbromid behandelt, wodurch eine spätere Lokalisierung der Eizellen möglich war: das benutzte Färbemittel führt nach Bestrahlung mit UV-Licht zur Emission von sichtbarem Floureszenzlicht.

Ergebnisse:

Es wurde festgestellt, daß sich Gummibärchen entgegen ihren Verwandten, den echten Bären (Ursus spec.) auf eine völlig andere Art und Weise vermehren: Unter günstigen Verhältnissen, die insbesondere von der Temperatur abhängen, kommt es zur Paarung. Innerhalb von 1-2 Stunden reift die Eizelle in den weiblichen Tieren heran, und wird nach etwa 12h aus dem Uterus ausgestoßen. Die Eizellen, die mit einer besonderen Art von Epidermis zum Schutz umgeben sind, die sie vor dem Austrocknen bewahrt, entweichen beim Öffnen des natürlichen Habitats der Bärchen (also der Tüte).

Pro Bärchen werden etwa 6 solcher Oocyten ausgestoßen, was als ein eindeutiger Hinweis für vorhandene r-Strategie bei den Bärchen ist; es werden also bei weitem mehr Nachkommen erzeugt, als für das Überleben der Species nötig wäre, um Verluste durch Räuber wie den Menschen auszugleichen.

Die mikroskopisch kleinen Eizellen heften sich an Staubpartikel und beginnen ihre lange Reise zum Reifungsort. Die Lokalisierung dieser Reifungsorte scheint genetisch in den Anlagen der Tiere verankert zu sein, ähnlich wie bei den Amphibien, bei denen ebenfalls zum Ablaichen immer wieder das Geburtsgewässer aufgesucht wird. Ungeklärt ist bisher jedoch, wie die Eizellen, die ja anscheinend ungerichtet in der Luft umherschwirren, zu diesem Ausreifungsort gelangen. Anscheinend liegt hier jedoch ein tropotaktischer Mechanismus durch simultane Intensitätsmessung mit Hilfe von symmetrisch angeordneten präembryonalen Sinnesorganen zugrunde. Ein für die Bärchen günstiger Ausreifungsort scheint zu sein, wo es genügend Lebensraum für alle Individuen gibt. Diesen Aspekt in der Populationsökologie der Bärchen macht sich die Firma "Haribo" zunutze, indem sie einfach genügend solcher Habitate, sprich: Tüten zu Verfügung stellt. Somit konnte auch die Hypothese, Haribo zwinge die Bärchen in die Tüten (siehe Wegener, 1996), verworfen werden. Das Phänomen, daß die Bärchen sich nach dem Öffnen der Tüte von selbiger abgewendet haben (Laborversuch von Krueger & Hofmann, 1996), ist aufgrund der starken Bindung an ihre Behausung wahrscheinlich vielmehr auf ihre natürliche Neugier und ihren Entdeckungsdrang zurückzuführen, da es sich bei den bewegenden Bärchen vorwiegend um rote Tiere handelte (siehe hierzu auch: Jusko, 1996: Kommuntikation und Ausdrucksverhalten bei Gummibärchen)

Sind die Eizellen an ihrem Ausreifungsort angelangt, heften sie sich an die Innenseite einer Tüte. Durch das spezielle Klima in der Tüte (welches somit auch als ultimater Faktor in der Verhaltensbiologie der Gummibärchen gelten kann) wird eine thermische Reaktion ausgelöst, durch die die Schilddrüse hohe Mengen an Thyroxin produziert, welches letztlich die Entwicklung zu fertigen Bärchen einleitet.

Weiterhin fraglich ist, woher die heranreifenden Bärchen wissen, wann die maximale Anzahl an Individuen in einer Tüte erreicht worden ist. Geklärt werden konnte im Verlauf der Untersuchungen jedoch, wie die Gummibärchen es schaffen, die Tüte von innen zu verschließen: Sie benutzten hierfür ihren Speichel, der eine verhältnismäßig klebrige Konsistenz aufweist. Jeder, der schon einmal versucht hat, eine Gummibärchen - Tüte aufzureißen, wird bestätigen, daß die obere Öffnung der Tüte extrem haltbar verklebt wurde.

Zusammenfassung:

Es konnte festgestellt werden, daß der Vermehrungszyklus der Gummibärchen eng mit ihrem Habitat - der Tüte, verknüpft ist. Die Gummibärchen produzieren Eizellen, die in der Lage sind, gerichtete Bewegungen auszuführen und zu "überlieferten", in den Erbinformationen gespeicherten Plätzen mit hoher Habitats(Tüten-)dichte zu gelangen, wo sie sich zu fertigen Gummibären entwickeln.


Stud. der Biologie Till Lloyd , E-Mail: [email protected]



erstellt: 11.8.96 by TL,
letzte Änderung: 12.8.96 by JF