Was die Gummibären zu Weihnachten treiben

Adventskränze, Maulwurfstag und Anderes

 

Wolfgang Hoeppner
Gerhard-Mercator Universität Duisburg

 

Das Jubiläumsjahr, die 75jährige Existenz der Gummibären geht seinem Ende entgegen, und wenn hier auch Zweifel angebracht worden sind, ob es die Gummibären nicht schon seit vielen tausend Jahren gibt (Traxler 1992), so wollen wir uns nicht in den dadurch ausgelösten Historikerstreit einmischen.Es fehlen hierzu auch noch Positionsstatements der Parteien, die dieses Thema erst zögerlich angegangen sind. Trotz der Wahl, so müssen wir feststellen, die uns im nächsten Jahr ins Haus stehen wird. hat weder Herr Kohl gestanden, daß seine jährlichen Urlaubswochen am Wolfgangssee vordringlich dem Zweck dienen, die Folgen des Gummibärenkonsums abzubauen. Noch hat die SPD es geschafft, eine eindeutige Position zu beziehen. Herr Lafontaine sieht ja nun fast schon wie ein Gummibär aus, Herr Schröder gar nicht, aber beide Kandidaten haben es versäumt, diese Tatsachen in ihre Strategien einzubauen. Die Grünen weigern sich generell, über Gummibären zu sprechen, BSE fällt ihnen dazu maximal ein. Die F.D.P.? Ja, hmm, die würden zu diesem Thema was sagen wollen, wenn es denn gelb-blau gestreifte Gummibären gäbe, oder zumindest gelbe mit blauen Punkten, oder umgekehrt. Gibts aber nicht, das lernt jedes Kind schon vor der Schule. Aber auch schwarze Gummibären gibts gar nicht; vielleicht sollte man das Herrn Kohl mal mitteilen. Dann bräuchte er vielleicht nicht an den Wolfgangssee, Frau Marianne könnte eine köstliche Gummibärenfüllung für den Saumagen zubereiten, in Oggersheim natürlich, und in dieser Zeit könnte der Gatte von schwarzen Gummibären träumen und sich insgeheim freuen, daß es keine blau-gelben gibt, und wie es wäre mit den schwarzen.
Nun ja, einige Vorschläge zur Güte, aber eigentlich haben wir ja in dieser unserer Adventszeit ganz was anderes vor. Wir wollen das Verhalten der Gummibären erforschen, diesmal nicht unter linguistischen Aspekten (vgl. Hoeppner 1997), sondern unter jahreszeitlichen, also adventlichen. Eine Fülle von Fragen ist hier noch ungelöst:

Eine Reihe anderer Forschungsthemen drängt sich auf. Begrenzte Ressourcen zwingen uns jedoch, mit den aktuellsten zu beginnen. Im Hinblick auf das neue Hochschulrahmengesetz (kurz: HRG; nicht zu verwechseln mit dem HRGB, dem Hochschulrahmengummibär, der eine Maßeinheit für die Menge der in einer Vorlesung zuträglichen Gummibären darstellt) wird es möglicherweise ganz unterschiedliche Landesgesetze geben, die dann auch jeweils eigene HRGBs vorsehen werden. Um nur einen Hinweis zu geben: der Hochschulzugang ist für Gummibären bisher nicht geregelt. Selbstverständlich ein Skandal, aber nur einer unter anderen.

Lassen wir nun aber diese Dinge erstmal auf sich beruhen und wenden uns den oben aufgeführten Fragen zu.

2. Jahresendeverhalten bei Gummibären
Wir haben das Jahresende, genauer gesagt den Dezember in seine wesentlichen Abschnitte zerlegt. Und zwar nach kognitiven Kriterien, nicht nach kalendarischen. Dies hilft uns beispielsweise, den Nikolausitag als ein Konzept zu behandeln, das zwar in der Adventszeit angesiedelt ist, sich jedoch als eigenständig herauskristallisiert hat und mit Adventskränzen kaum etwas zu tun hat. Eher mit Stiefeln, Socken usw.

2.1 Der Nikolausitag bei Gummibären
Am menschlichen Nikolausitag, dem 6. Dezember eines jeden Jahres, werden die Menschen, vorzugsweise die Kinder, mit Geschenken versehen, die sich nach ihrer Bravheit bemessen. Es gibt hier nur zwei Kategorien: die Unartigen bekommen eine Rute, die Artigen bekommen etwas, was keine Rute ist. Davon gibt es ganz viele Dinge, die wir hier nicht aufzählen können.

Bei den Gummibären war solches Verhalten nicht zu beobachten, zumindest nicht am vorgesehenen Termin. Sie lagen dann in der Sonne, sofern es eine solche gab, spazierten ansonsten in Wald und Flur (und auf den Halden) herum, saßen mitunter gesellig beisammen und spielten Gummibär-ÄrgereDichNicht, widmeten sich der "Gummidichtung (vgl. Bröder 1997). Kurz, sie taten das, was ein jeder von uns an einem x-beliebigen Tag tut.

In den Abendstunden des 6. Dezembers, nach Sonnenuntergang, änderte sich das jedoch. Die Gummibären wie auch die Gummibärinnen raschelten mit Papier, packten dies und das darin ein, immer auf der Hut, daß niemand etwas davon mitbekäme. Selbst wir, gut getarnt, haben nicht mitbekommen, was denn dort eingepackt wurde. Jedenfalls zunächst nicht.

Am späten Abend des 6. Dezembers wurden die eingepackten Dinge dann auf einem großen Haufen versammelt. Die offensichtlich erschöpften Gummibären gingen ins Bett, einige nahmen noch eine Wärmflasche mit, und fielen sofort in einen tiefen Schlaf. Wir selbst konnten uns das natürlich nichtleisten, denn wir wollten ja herausfinden, was es mit diesem Verhalten auf sich hat. Stunde um Stunde verging, die mitgebrachte Ration von Glühwein war ausgetrunken, am Himmel wurde es langsam hell, aber die Gummibären waren immer noch in ihren Betten, die Decke weit über die Ohren gezogen, reglos, bis auf ein regelmäßiges Atmen, das uns beinahe selbst in den Schlaf geschickt hätte. Gegen 11 Uhr am 7. Dezember fingen dann die ersten an, sich zu räkeln, zu gähnen, sich die Augen zu wischen. Nach dem Zähneputzen versammelten sich die meisten vor dem Fernseher, um die Sendung mit der Maus zu sehen. Verständlich. Wir haben uns selbst den nicht gehabten Schlaf aus den Augen gerieben, und gelernt, wie man die Löcher in die Makkaronis hineinbekommt.

Pünktlich am Ende der Sendung - mittlerweile waren alle Gummibären versammelt, ausnahmslos mit geputzten Zähnen und frisch gekämmten Haaren - ging dann ein Sturm auf den Geschenkehaufen los, wie man ihn nicht erlebt hat. Im Nu wurde die Verpackung aufgerissen, und heraus kamen Figuren, Stofftiere, die wir leicht in die folgenden Kategorien einsortieren konnten: Mäuse (23.8%), Elephanten (7,3%), Gänse (1,7%) und Maulwürfe (68,2%).

Wir haben sodann die Reaktion der jeweils Beschenkten untersucht, und dabei festgestellt, daß Gänse und Elephanten offenbar in die Kategorie "Rute" bei Menschen einzustufen sind. Die dergestalt Beschenkten ließen ihre Mundwinkel sinken, einige Tränen waren in ihren Augen auszumachen, und sie zogen schnell von dannen. Mit den jeweiligen Geschenken zwar, aber diese nur lustlos am Hals bzw. am Rüssel hinterherziehend. -

Dies mag in der Folge zu den von Endepohls und Funke (1997) beobachteten posttraumatischen Belastungsstörungen geführt haben, und auch die jüngsten Untersuchungen von Borusiak (1997) zur Epilepsie deuten in diese Richtung. -

Die Mausbeschenkten sahen schon fröhlicher aus. Sie setzten sich mit ihrem Geschenk auf die Couch und begannen, über aktuelle Gummibären-probleme zu sprechen. Die überwiegende Mehrheit jedoch, die Maulwurfsfraktion sozusagen, setzte sich gesellig zusammen. Es wurde frischer Tee gekocht, und bald entspann sich eine rege Unterhaltung, die offensichtlich Maulwurfs- als auch Gummibärenprobleme berührte. Zu einer näheren Inhaltsfestellung konnte es nicht kommen, denn unser Beobachtungsposten war so weit entfernt, daß wir nichts hören konnten. Und wenn, dann hätte es auch nichts genützt, da wir weder der Gummibären- noch der Maulwurfssprache mächtig sind. Unsere Beobachtungen basieren also nur auf der - allerdings reichlich eingesetzten - Mimik und Gestik.

Im nächsten Jahr lassen sich vielleicht neue Konstellationen finden, die weiteren Aufschluß geben, an einen großen Lauschangriff wäre vielleicht zu denken.

Das Problem allerdings ist, daß der 7. Dezember dann auf einen Montag fällt, an dem es bekanntlich keine Sendung mit der Maus gibt. So ist zunächst an eine weitere Untersuchung mindestens bis zum Jahr 2004 gedacht. Vorher werden wir uns hüten, den 7. Dezember generell zum Maulwurfstag zu erklären.

2.2 Bräuche in der Adventszeit
Am 30. November begannen wir mit unserer Langzeitstudie, die Licht in das adventliche Brauchtum der Gummibären bringen sollte. An diesem Tag wird spätestens bei Menschen die Wohnung umgekrempelt, allerlei Spezereien werden aufgestellt, Sterne und ulkige Männlein in roten Verkleidungen bevölkern die Wohnungen und Straßen. Na ja, hinlänglich bekannt, und jedes Jahr ein paar Tage eher.

Wie aber verläuft diese Zeit bei den Gummibären? Darüber ist nichts bekannt, ja, man könnte den Eindruck gewinnen, es würde sich recht eigentlich niemand dafür interessieren. Dies jedoch darf die Wissenschaft weder abhalten noch irritieren, und so haben wir denn schon Mitte August die Versuchsparameter ausgetüftelt und pausenlos darüber nachgedacht. Anfänglich dachten wir an etwas Nahrhaftes, das die Gummibären in der Adventszeit - sonst aber nicht! - zu sich nehmen. Spekulatius etwa, Dresdener Stollen, Glühwein. Dann hatten wir eine Hypothese am Wickel, die kühn behauptete, daß den dunkelroten Gummibären und -innen eine besondere Funktion in dieser Zeit verleiht. Dies war aber für den Anfang zu kompliziert, und so haben wir uns auf den Adventskranz gestürzt. Dieser ist zeitlich fixiert, rund und kaum zu verwechseln. Also eine Basiskategorie gewissermaßen.

Wir müssen hier leider gestehen, daß diese Kategorie sich als nicht sonderlich tragfähig erwiesen hat. Um das Ergebnis der Lanzeitstudie vorwegzunehmen: den Gummibären sind Adventskränze einfach wurscht.

Weder haben sie sich Ende November darum gekümmert, ihre Behausungen mit diesem Kulturgut auszustatten, noch haben sie entsprechend reagiert, als wir selbst eingegriffen haben und allerorten Adventskränze aufgestellt haben. Die Farbe der Kerzen wurde variiert, auch ihre Dicke und Form, in systematischer Weise natürlich; schließlich wurden sogar Kerzen in Form von Gummibären eingesetzt. Alles umsonst. Die Gummibären haben sämtliche Varianten von Adventskränzen als normale Gegenstände angesehen, an denen man gut Turnübungen ausführen kann. Das haben sie dann auch getan, aber in derselben Weise, wie sie es sonst mit Zuckerdosen, Papierkörben und CD-Ständern tun. Wir haben zwar feststellen können, daß sie die Kerzen gerne auspusten, aber das hat offensichtlich mit der Adventszeit nichts zu tun. In Kontrollversuchen wurden auch ganz normale Kerzen ausgepustet, wo immer sie aufgestellt waren, welche unchristlichen Formen sie auch gehabt haben mögen (wir sind wirklich vor nichts zurückgeschreckt), und in welcher Adventswoche das auch war.

In der Materie kundige Leser werden zweifelsohne bei unserem Vorgehen eine ähnliche Methodik entdecken, wie sie von Funke (1996) eingeführt wurde und von Krüger und Hoffmann (1996) weiterentwickelt wurde. Dies ist so, in der Tat, da beißt keine Maus den Faden ab. Und auch kein Maulwurf.

Klarheit wird erst das neue Jahr bringen. Es könnte ja immerhin sein, daß die Gummibären während der Adventszeit dem "Pusteritual" frönen und so ihre soziale Einstellung zu dieser Jahreszeit ausdrücken, indem sie einfach alles auspusten, was brennt. So enttäuschend dieses Ergebnis für die Forschergemeinde sicher ist, es kommt ein neues Jahr mit einer neuen Adventszeit, danach noch ein weiteres usf. Es ist also genügend Zeit für die Vorbereitung weiterer Experimente vorhanden.

2.3 Das eigentliche Weihnachtsfest
Zeitgleich mit unseren zugegebenermaßen nicht recht geglückten Experimenten zum Adventsverhalten der Gummibären haben wir die Vorbereitungen auf die eigentliche Weihnachtszeit beobachtet Die ist in unseren Breiten ja bekanntlich vom 24. (12.00 Uhr) bis zum 26. Dezember (0.00 Uhr) und erfordert erheblichen Organisationsaufwand.

In den ersten Wochen war bei der von uns beobachteten Gummibären-population kaum etwas Diesbezügliches festzustellen. Zwar liefen die Vorbereitungen zum 7. Dezember, dem oben hypothetisch als "Maulwurfstag" bezeichneten Datum, auf Hochtouren. Danach war dann aber das übliche Leben angesagt. Man bzw. gb (dies die geschlechtsneutrale und generalisierende Form für Gummibären und -innen) schrieb Botschaften auf Zettel, die dann dem jeweiligen Adressaten, der jeweiligen Adressatin zugeworfen wurden. Es waren dies aber eindeutig keine Wunschzettel, wie wir dies aus dem menschlichen Bereich kennen.

Was allerdings signifikant zugenommen hat, ist der fax-Verkehr. Wir vermuten, daß dies etwas mit dem Weihnachtsfest zu tun hat. Eine Überprüfung konnte nicht geschehen, weil wir uns an das Datenschutzgesetz gebunden fühlten und eine kurzfristige Ausnahme auf Bundesebene nicht zu erreichen war. Wir möchten hier auch auf die kürzlich erschienene Arbeit von Gerdes (1997) hinweisen, die sich erstmals mit den blauen Gummibären und deren regenbogenartigen Farbgenen (sic!) auseinandersetzt. Nun gibt es diese Wesen eigentlich gar nicht, sie waren bisher gewissermaßen die Neutrinos der Gummibärenforschung. Aber wer weiß? Möglicherweise betreiben diese unsichtbaren Sonderformen das Weihnachtsgeschäft in der Gummiwelt?

Immerhin haben sich die Gummibären als medienbewußte Wesen erwiesen. Wir vermuten, daß sie auch im Internet herumgeistern, womöglich ein eigenes Rubbernet aufgebaut haben, und sich so als Wesen unserer Zeit, als durchaus kulturbeflissene MitbürgerInnen betätigen. Daß sich dies nach den vorläufigen Untersuchungen zum Weihnachtsfest nicht feststellen ließ, mag daran liegen, daß dieses noch gut zwei Wochen entfernt ist. Möglicherweise entwickeln unsere Probanden ganz plötzlich am 23. Dezember ungeahnte Aktivitäten, kaufen alle Läden auf, schmücken ihre Gummibäume mit Lametta, hören auf, die Kerzen auszupusten (Anmerkung: wir vermuten, sie pusten sich als Ausgleich dann in die Ohren) und summen ständig "Adeste fideles". Bis auf das Ohrenpusten wäre das ja auch noch ganz erträglich.

2.4 Und danach?
Wenn wir bei den Forschungsanstrengungen des letzten Abschnittes noch mehr Spekulation als gesicherte Ergebnisse anführen konnten, so ist das für die Nachweihnachtszeit anders. Wir haben nämlich im letzten Jahr bereits Beobachtungsdaten sammeln können, die eine vorläufige Basis abgeben. Zwar eine lokal eng begrenzte, aber als solche auch eher systematisch untersuchbar. Es handelt sich hier um eine Insel in Nordfriesland, deren Namen wir fürs erste noch geheimhalten wollen.

Die dortige einheimische Population ist leicht zu erkennen: Pudelmützen, Gummistiefel, ein fester Blick sind die wesentlichen Kennzeichen. Zur Beobachtungszeit finden sich auch etliche "Zugereiste" ein, die man allerdings leicht identifizieren kann: ihnen fehlt der feste Blick. Sie tragen auch häufig Sonnenbrillen, was ein echter nordfriesischer Gummibär niemals tun würde, es sei denn, er begäbe sich ins Mafiagebiet, also nach Neapel, Palermo, oder irgendwo dort unten. Tut er aber nicht. Oder nur selten.

Was also taten die eigentlichen, die eingeborenen Gummibären nach dem Weihnachtsfest in Nordfriesland? Erstaunliches, das sei schon mal verraten. Aber die "Zugereisten" waren noch schlimmer, und wir verzichten hier auf die einzelnen Beobachtungen, die wir über sie aufgeschrieben haben.

Gleich nach Wehnachten begann ein regelrechter Sturm auf die Alkoholabteilungen der Supermärkte und Warenhäuser. Alle verfügbaren Piccolo-Flaschen von Sekt wurden aufgekauft und sodann in extra dafür hergerichteten Höhlen in den Dünen gebunkert. Ebenso erging es den Geschäften, die witzige Hüte im Angebot hatten, und schließlich denen mit Konfetti und Papierschlangen. Alles wurde in die erwähnten Höhlen verbracht, die üblichrweise in Gegenden lagen, deren Zutritt verboten war. "Dünenschutz ist Inselschutz" hieß es allerorten, und dies wohl in erster Linie, um die Zugereisten (die ohne den festen Blick) in ihre Grenzen zu weisen.

Am 31. Dezember konnte man dann regelrechte Kohorten von Gummibären beobachten, die zielstrebig über die Bohlenwege zu den von ihnen betreuten Höhlen zogen. Diszipliniert, so muß man sagen, waren diese Trupps. Am Zielort angelangt wurde zunächst die Höhle aufgebuddelt und die witzigen Mützen, Papierschlangen und Konfetti herausgekramt. Die Gummibären machten es sich bequem auf den dafür mitgebrachten Kissen, setzten ihre witzigen Mützen auf, schmissen sich Konfetti ins Gesicht, kicherten und drapierten die Papierschlangen am Dünengras sowie an ausgewählten Extremitäten der Festgesellschaft. Hier sind an erster Stelle die Ohren zu nennen. Es konnte aber nur in wenigen Fällen notiert werden, daß das oben erwähnte Pusten stattfand. Dies scheint eher zum Weihnachtsritual zu gehören.

Schnittchen wurden herumgereicht, die vorzugsweise mit Leberwurst bestrichen waren, es gab allerdings gelegentlich auch welche mit altem Gouda. Die Stimmung war gut, ja für dieses Habitat sogar ausgelassen. Kurz vor Mitternacht wurden dann auch die Piccolo-Flaschen aus den Höhlen in den Dünen herausgeholt. Schlag 12 dann wurde entkorkt, und nun würde man erwarten, daß die Sektgläser schon bereit gestanden hätten. Nichts da! Statt dessen begannen die Gummibären sich gegenseitig mit dem Inhalt der Piccolo-Flaschen zu bespritzen. Trotz der nordischen Kälte schien es ihnen ein ganz tierisches Vergnügen zu bereiten. Man konnte direkt sehen, daß eine ekstatische Stimmung um sich griff, je mehr der versammelten Festteilnehmer vom Sekt durchnäßt waren. Einige zogen sogar ihre witzigen Mützen ab und warfen sie hoch in die Luft, ein bei Gummibären selten zu beobachtendes Spektakel. Es schien sich hierbei um eine Form von ,Orgie' zu handeln, die von Döring (1997, 2.2) in knappen Worten als historisches Ereignis, von dem "man halt nur träumen könne" abgetan. Unsere Beobachtungen lassen diese These zumindest als vorschnell erscheinen.

Nach einer knappen Stunde war der Sekt über die Versammlung verteilt, teilweise schon gefroren, was aber die davon Betroffenen geradezu stolz werden ließ. Die Höhlen in den Dünen wurden verschlossen, und gb begab sich zufrieden in Richtung der jeweiligen Behausung. Sie haben allerdings sehr darauf acht gegeben, daß die gefrorenen Sektreste nicht abfallen. Es konnten sogar Exemplare beobachtet werden, die etwäige abgefallene Tropfen sorgfältig mit Tesafilm wieder angeklebt haben.

Hiermit enden unsere Beobachtungen zum "danach"-Verhalten der Gummibären. Wir erwarten jetzt Untersuchungen aus anderen Regionen, auch solche aus dem europäischen Ausland sind willkommen, damit eine breitere Basis für das nachweihnachtliche Verhalten der Gummibären zur Verfügung steht. Einen aufmunternden Appell möchten wir hier insbesondere an das Lipperland richten (wegen der Leberwurstbrote), an die befreundeten Niederlande (wegen der nördlichen Lage und des Käses), sowie an den Freistaat Bayern (wegen der witzigen Mützen).

3. Zusammenfassung
Wir haben in diesem Beitrag versucht, den Gummibären in der Vor- und in der richtigen Weihnachtszeit auf die Schliche zu kommen, haben ebenfalls und zusätzlich die letzten Dezembertage in unsere Feldforschungen einbezogen. Dabei haben sich einige Vermutungen bestätigt, andere wurden völlig über den Haufen geworfen und von mehreren Ergebnissen sind wir einfach überrascht worden, ja, wir können hier nur allererste und mit großem Vorbehalt geäußerte Vermutungen anbieten. (Soweit der Teil, der eigentlich am Ende eines jeden wissenschaftlichen Artikels stehen könnte.)

Das größte Ereignis im Gummibärendezember scheint der Nikolausitag (bzw. Maulwurfstag) zu sein, der 7. Dezember, also genau einen Tag nach dem geichnamigen menschlichen Feiertag. Andere weihnachtliche Bräuche sind offensichtlich kaum bekannt, bzw. werden einfach als nicht gummibärengemäß ignoriert. Der Adventskranz ist ein Beispiel hierfür, und auch die Veranstaltungen zum menschlichen Weihnachtsfest sind sehr dünn ausgeprägt. Zum Jahresende ist das dann wieder anders, wenn sich unsere empirischen Befunde auch nur auf einen eng umgrenzten und möglicherweise idiosynkratisch randständigen Bereich haben kümmern können.

Für künftige Forschungen erscheint es ratsam, sich in erster Linie der Adventszeit anzunehmen (30. November bis 23. Dezember), wobei allerdings der 7. Dezember ausgespart werden kann. Sodann besteht erheblicher Forschungsbedarf an den eigentlichen Weihnachtstagen (24.-26. Dezember).
Vom 27.-31. Dezember liegen erste Ergebnisse vor, die jedoch von Kontrollbeobachtungen in anderen Regionen unterstützt werden müssen. Der bayrische Wald, die sächsische Schweiz, Helgoland, sowie die Insel Usedom würden geeignete Gebiete sein, bevor man sich ins Ausland begibt (Salzkammergut, Appenzeller Land).

Wir sehen unsere eigenen Forschungen als Pioniertaten an, die allerdings angetan sind, das wissenschaftliche Nachwuchspotential anzuregen und zu eigenen Erkundungen anzuspornen. Ein Antrag auf ein Stipendien-programm unter der Bezeichnung "Ursus latex in tempore adventii" (ULTA) wird derzeit von der Bischofs- sowie von der Hochschulrektorenkonferenz geprüft. Ehrenmedaillen sind bereits geprägt und sollen jeweils am 7. Dezember den erfolgreichsten Wissenschaftlern und Wissenschhaftlerinnen in einem Festakt übergeben werden.


Literatur

P. Borusiak: Epilepsie und EEG bei Ursus elasticus vulgaris. Univ. Bonn,
Gummibären-Homepage*, 1997
 
A. Bröder: Meilensteine der Gummidichtung. Ein Abriß der Bärchenliteraturgeschichte.
Univ. Bonn, Gummibären-Homepage*, 1997
 
M. Endepohls, J. Funke: Psychotherapie bei Gummibären. Univ. Bonn,
Gummibären-Homepage*, 1997
 
N. Döring: Die sexuellen Phantasien der Gummibärchen. Univ. Bonn,
Gummibären-Homepage*, 1997
 
J. Funke: Komplexes Problemlösen bei Gummibären. Univ. Bonn,
Gummibären-Homepage*, 1996
 
S. Gerdes: Parapsychologische Phänomene bei Gummibären. Univ. Bonn,
Gummibären-Homepage*, 1997
 
W. Hoeppner: Und sie kommunizieren doch: Sprachliche Varietäten bei Gummibären.
Univ. Bonn, Gummibären-Homepage*, 1997
 
Th. Krüger, B. Hoffmann: Implizites Gedächtnis bei Gummibärchen. Univ. Bonn,
Gummibären-Homepage*, 1996
 
H. Traxler: Aus dem Leben der Gummibären. Zürich: Diogenes 1992
 
* http://www.psychologie.uni-bonn.de/sonstige/gummibaer