Spontanschwund bei Gummibären?

Konrad Schüttauf
Philosophisches Seminar A der Universitä Bonn

Ausgangspunkt der nachstehend mitgeteilten Befunde ist der Versuch, die hochinteressanten Experimente von Krüger und Hofmann (1996) zum impliziten Gedächtnis bei Gummibärchen mit größerer Power zu replizieren.

Es wurden jeweils 5 Tüten pro Experimentalgruppe auf Tischen des Labors ausgeleert. Nach einer Exposition von 120 Stunden konnte das letztendlich doch überraschende Nullergebnis (keine Rückkehr, weder in die Tüten, noch in sonstige Behältnisse, nicht einmal in die Kondome) voll bestätigt werden.

Noch überraschendererweise ergab sich jedoch bei der Kontrollauszählung der Gummibärchen, daß 16,88 Prozent der ursprünglichen Gesamtmenge überhaupt nicht mehr auf den Tischen aufzufinden waren.

Dieser unerwartete Befund könnte einerseits als eine (freilich noch zu überprüfende) Bestätigung der Psi-Vermutung der Referenzarbeit gedeutet werden.
Andererseits mag er aber auch Anlaß geben zu erwägen, ob nicht ein interessanter Zusammenhang mit einem nie nie befriedigend erklärten frühneuzeitlichen Experimentalbefund (Paracelsus: Fundamenta vitae, 1598) bestehen könnte: Es stellte sich damals nämlich - mehrfach zuverlässig repliziert - heraus, daß in Eimern, in denen Mehl und alte Lappen aufbewahrt werden, eine Spontanbildung von Mäusen (sogenannte Urzeugung oder generatio prima) stattfindet. In umkehrender Analogie ließe sich bei Gummibärchen vielleicht von Spontanschwund (annihilatio ultima) sprechen.
Es tut sich hier der experimentellen Forschung ganz sicher ein reiches Feld auf, wobei eventuell auch noch unbekannte Versuchsleitereffekte skeptisch in Betracht zu ziehen wären.


erstellt von tk, 28.1.97;
letzte Änderung von HG am 18.10.99