Referat vom 14.04.1988 im Fachbereich Wirtschaftsinformatik an der FH-Reutlingen

R. Neuwirth

Gummibären

Guten Tag, meine Damen und Herren, ich darf mich kurz vorstellen für die, die mich noch nicht kennen sollten: mein Name ist Professor Dr. Gum Dr. Bär Hugo Gelfutterer. Ich gelte als international führender Experte auf dem Gebiet sozialwissenschaftlicher Fragen in Bezug auf Gummibären und bin dazu Vorsitzender des Deutschen Gummibären Verbandes (DGB). Ich danke Ihnen für Ihr zahlreiches Erscheinen zu meinem heutigen Gastvortrag, der einen kurzen Überblick über die sozialen und allgemeinen Probleme der Gummigären in unserer heutigen technisierten Welt geben soll.

Zur Einleitung möchte ich die Artenvielfalt der Gummibären anhand dreier Bärenarten demonstrieren:

(... Regieanweisung: Zücken der jew. "Samples" und Verteilen in der Menge...)

Wir haben es bei den Gummibären mit einer besonderen Spezies zu tun, denn sie sind die kleinsten Bären der Welt. Aber obwohl schon das Grundgesetz sagt, daß der Schwächere geschützt werden soll, wird diese einzigartige Rasse unterdrückt und ausgebeutet wo es nur geht! Ich nenne hier einige Beispiele, die den Umfang der Ungerechtigkeiten beschreiben sollen:

In neuester Zeit beobachten wir die umfangreiche Automatisierung und den steigenden Einsatz von Computern bei der Gummibärenproduktion. Neben den allgemein bekannten Problemen der dadurch aufkommenden Arbeitslosigkeit durch Rationalisierung dürfen wir jedoch keinesfalls die gravierenden Auswirkungen auf die Gummibären selbst vergessen: Bei den Gummibären ist (wie bei den Menschen) das prägenste Erlebnis in ihrem Leben ihre Geburt. Durch die Automatisierung aber entsteht eine extreme Enthumanisierung der Gummibären. Sie erleiden irreparable Schäden durch die unpersönliche Umgebund und das Fehlen einer menschlichen Bezugsperson. Der Beweis: Stellen Sie doch mal einem Gummibären eine Frage. Sie werden keine Antwort bekommen!

Die Produktionsmethoden sind ebenfalls völlig unmenschlich: Bevor das Gummibärchen überhaupt in der Lage ist, seinen ersten Urschrei loszulassen, wird es in eine Schablone gestanzt. Das Resultat ist die vollkommene Unterdrückung individueller Merkmale (Hier möchte ich für Interessierte auf Sigmund Freud und dessen These des ,,Über-Ich,, verweisen.)

Die Diskriminierung der Gummibären wird durch die Verpackung vervollständigt: man findet Mengenangaben nur in Gramm und nicht in Stück vor, wie es dem Gummibären-Individuum entsprechen müßte.

Hinzu kommt die Ausbeutung durch immer höhere Stückzahlen in der Produktion.

Eine weitere Unmenschlichkeit entdeckte ich bei persönlichen Studien über die Gummibären: ich beobachtete Methoden des Dinierens, die nur noch als sadistisch anzusehen sind: man riß den Gummibären einzeln die Arme und Beine aus, um sie so Stück für Stück zu genießen. Diese und andere Beobachtungen haben mich sehr schockiert, und ich muß mit Nachdruck davor warnen, daß solche Zustände eine Revolution herbeiführen können. Eine humanere Lösung des Dinierens wäre ein schneller Tod durch Kopfabbeißen.

Der Konflikt zwischen Mensch und Gummibär geht bis auf den englischen Frühkapitalismus zurück. Damals zeigte uns Karl Marx neue Wege zur Lösung sozialer Probleme. Langwierige und überaus schwierige Recherchen ergaben, das Marx beim Niederschreiben seiner Thesen Gummibären verspeiste, diese aber gleichzeitig zu erwähnen vergaß. Dieses folgenschwere Versäumnis führte zu einer späteren Nichtbeachtung ihrer Interessen.

Man könnte die Ungerechtigkeiten beliebig fortführen, doch um den mir zeitlich gesetzten Rahmen nicht zu sprengen, möchte ich jetzt zu den Forderungen und Verbesserungsvorschlägen des DGB im Hinblick auf die Gummibären kommen. Zunächst muß eine Partei gegründet werden. Deren Ziele sollten sein:

Die Verwirklichung dieser politischen Ziele hängt natürlich stark von dem Umfang finanzieller Mittel ab. Ich bin der Meinung daß die Gummibären unterstützt werden müssen und möchte darum als Abschluß meines Vortrages das Spendenkonto der Schutzgemeinschaft Deutscher Gummibären e.V. hier an die Tafel schreiben.

Sollten Sie Interesse oder noch weitergehende Fragen haben, dann wenden Sie sich bitte an diese Adresse.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.