Zur Kontroverse um die Gummibärchen in Papua New Guinea

Dr. Verena Keck & Prof. Dr. Jürg Wassmann

Universität Basel und Universität Heidelberg

21.2.2001

Neueste vorläufige Resultate einer ethnologischen Grundlagenforschung über Gummibärchen im Hochland von Papua New Guinea lassen Zweifel an bisherigen Aussagen über diese Population in Ozeanien aufkommen (siehe Beitrag von Dr. S. Kühling, Universität Heidelberg). Zweifelsfrei konnte nachgewiesen werden, das es sich bei den jüngst angetroffenen, als yaat kalap mondji (yaat: Zuckerrohr, kalap: ein kleines Baumkänguruh, mondji: klein), also kleines Zucker-Baumkänguruh bezeichneten Wesen keinesfalls um einen Import von in Massenproduktion hergestellten Elasto-Tieren handelt, sie auch kein Produkt eines wie auch immer gearteten Kulturkontakts darstellen, sondern eine indigene, zwar kleine, aber zähe Population sind. Ihr Habitat sind die Pandanuswälder der subtropischen Berggebiete, ab 2000 m ü.M, wo sie vom Verzehr der Pandanusblätter leben. Sie werden von der dort ansässigen Bergbevölkerung, den Yupno, mit grosser Geschicklichkeit mit Bogen und Pfeil erlegt (siehe Abbildungen 1 und 2).



Begehrt sind sie als Nahrung für Kinder (Abbildung 3).


Erste Ergebnisse weisen eine statistisch signifikante Präferenz von roten (und etwas weniger ausgeprägt grünen) Bärchen über gelbe und durchsichtige auf, die ihre Erklärung in der emischen, d.h. lokalen gedanklichen Grundordnung der Yupno finden: rote Dinge gelten als "heiss" (tepm), sie konzentrieren in sich besonders viel "vitale Energie" (tevantok). Diese "aufgeladenen" Dinge spielen die zentrale Rolle, in einer Art von "Analogie-Übertragung", bei der Manipulation, d.h. magischen Kontrolle, der natürlichen und sozialen Umwelt - und sei es nur zur Beschaffung weiterer Gummibärchen. Verzehrt werden die kleinen Wesen roh oder im Feuer geröstet (etwa wie amerikanische marshmellows).

Um differenziertere Aussagen über diese bisher in der Ethnologie Ozeaniens vernachlässigte Population zu gewinnen, erachten die Heidelberg Forscher Mythik, Gender, Ritual sowie Mobilität und Raumverhalten der Gummibären und Gummibärinnen als vordringliche, förderungswürdige Forschungsthemen.