Neurochirurgische Eingriffe am lebenden Gummibärchen

Klaus-Martin Klein

Die Operationsvorbereitung

Krankenkassenzugehörigkeit

Vor jeder Operation muß selbstverständlich geklärt werden, ob die harte und aufopferungsvolle Tätigkeit des behandelnden Neurochirurgen auch honoriert werden wird bzw. kann. Ist ein Gummibärchen krankenversichert, so ist alles in Ordnung: Denn das Krankenkassensystem ist bei den Gummibärchen weitaus fortschrittlicher gestaltet als das der Bundesrepublik Deutschland. So lautet die 1. Präambel einer jeder Gummibärenkrankenkasse nämlich: "Jedes Gummibärchen ist an seinem Schicksale alleine schuld" - und hat demzufolge einen Selbstkostenanteil von 97% zu zahlen. (Kann es das nicht, so werden selbstverständlich alle Angehörigen zur Kasse gebeten - die Abwicklung übernimmt dabei das Institut für unbarmherzige soziale Ausgliederung (usA) und erfolgt zumeist über das IFD-System <"Ich Freß Dich!">.)

Präoperative Diagnostik

Vor Durchführung eines neurochirurgischen Eingriffs ist mit größter Gewissenhaftigkeit zu gewährleisten, daß unsere wohlschmeckenden Patienten durch die Operation weder hinsichtlich ihrer intellektuellen, emotionalen oder gar Geschmacksqualitäten Einbußen befürchten müssen. Für die präoperative Diagnostik bestens bewährt haben sich hierbei der von Krüger und Hofmann entwickelte und vom gleichen Autorenpaar an einer großen Eichstichprobe sorgfältig normierte wkdr-Test (gemeinhin auch als der Gummibärentest bezeichnet).


Neurochirurgische Eingriffe

Das neurochirurgische Instrumentarium ("Besteck")

Da neurochirurgische Operationen bislang nur an gemeinen Gummibären vorgenommen wurden, können sich diese unsere Empfehlungen zum Gebrauch neurochirurgischen Instrumentariums auch nur auf diese Patientengruppe beziehen.

Tatsächlich ist für den neurochirurgischen Eingriff nahezu jedes Werkzeug aus Medizin, Küche, Haushalt oder Folterkammer bestens geeignet, welches über eine noch halbwegs brauchbare stumpfe, halbstumpfe oder gar scharfe Klinge verfügt, seien es nun Skalpell, Küchenmesser oder -beil, oder auch Vatis Laubsäge. Auch wenn es unglaublich klingt: Bislang ist kein einziger Fall einer neurochirurgischen Operation an Gummibärchen bekanntgeworden, an den eines der verwendeten Instrumente Schaden genommen hätte. Allerdings haben sich für normale Operationen an Gummibärchen das traditionelle Federmesser (Skalpellum), das herhömmliche Küchenmesser und die aus dem heimischen Keller hinlänglich bekannte Kneifzange bestens bewährt (aus der Pionierzeit werden Operationsversuche mit Vierkantschlüssel, Armbrust (sogenanntes "Telling"), Schraubenziehern und Knoblauchpressen berichtet, die allerdings nur im Sinne eines wissenschaftshistorischen Erkenntnisgewinns als wirklich erfolgreich bezeichnet werden dürfen!)

In jedem Falle ist darauf zu achten, daß die zur Anwendung kommenden Gerätschaften rostfrei (Minderung der Geschmacksqualität beim späteren Verzehr) und keimfrei (Gefahr des Schimmelpilzbefalls) sein sollten. Obgleich über die -angeblich(!)- sterilisierenden Eigenschaften menschlichen Speichels in der Mundhöhle immer wieder berichtet wird, muß dennoch von einer Sterilisierung der Instrumente durch bloßes und ungeschütztes Abschlecken aufgrund der hohen Verletzungsgefahr dringend abgeraten werden. Dagegen wird in der Literatur von einem Ablutschen der zur Operation vorgesehenen Gummibärchen immer wieder gerne berichtet. Folgende Argumente für diese Vorgehensweise werden immer wieder genannt:

Anästhesie

Ob bei neurochirurgischen Eingriffen am lebenden Gummibärchen operationsleitende anäthtische Maßnahmen tatsächlich notwendig sind, ist derzeit eines der am heftigsten diskutierten Themen der neurochirurgischen Gummibärchenforschung.

So ist ein Teil der Forscher der Meinung, eine Anästhesie sei nicht notwendig, da Gummibärchen keinerlei Schmerzrezeptoren besäßen und demzufolge weder Schmerzen empfinden noch Schmerzen bereiten könnten (es sei denn bei einem massierten Angriff dieser putzigen Kerlchen auf den Magen-Darm-Trakt des sie verspeist habenden Menschen). Andere wiederum behaupten, Gummibärchen hätten nicht nur Schmerzrezeptoren, sondern auch Schmerzen, könnten diese aber nicht wahrnehmen, da ihnen hierzu das Bewußtsein fehle (vgl. hierzu äußerst kritisch: Rohracher, H. (1971). Einführung in die Psychologie). Wieder andere behaupten, es sei die Bestimmung des Gummibärchens, Schmerzen zu haben, da nur so eine der beim Menschen (Homo sapiens sapiens simplex) bekannten Endorphinausschüttung "ähnliche" Reaktion ausgelöst werden könne; diese sei allerdings aufgrund der Verhaltensdaten der Gummibärchen direkt nicht erschließbar, könne jedoch aus dem Entzücken, welches der Verzehr der Gummibärchen dem sie verzehrenden Menschen bereite, indirekt durchaus erschlossen werden (zur Problematik dieser Annahmen: vgl. auch Krüger, T. & Hofmann, B. (1996))

Doch zurück zum Thema: Empfahlen die Neurochirurgen der ersten Stunde zur Einleitung einer prächirugischen Betäubung des Gummibärchens noch die sogenannten Holzhammermethoden (zB der Einsatz eines Holzhammers, oder auch das vielmalige "Auftitschen-Lassen" des Gummibärchens auf ein glatte, harte Oberfläche aus großer Höhe) so sind die Methoden zur Betäubung eines Gummibärchens vor einer neurochirurgischen Operation inzwischen nicht nur viel wirkungsvoller, sondern auch weitaus subtiler und schonender geworden (vgl. hierzu auch: Klein, K.-M. (1996). Wie Gummibärchen Operationen tatsächlich überleben können. Bonn; leider vergriffen).

Wichtig erscheint uns indes, daß überhaupt eine Anäthesie durchgeführt wird. Während der Einleitung und Durchführung der Narkose haben sich narkosebegleitende psychologische Maßnahmen besonders bewährt, da hiermit Angst ab- und Vertrauen in den behandelnden Arzt aufgebaut wird. So ist allgemein üblich geworden, daß der Neurochirurg ein volkstümliches Liedchen anstimmt, etwa "Zehn kleine Gummibärchen". Nicht nur, daß der Neurochirurg hierdurch seine Empathie dem Gummibärchen gegenüber versichert: Auch das Gummibärchen gewinnt Vertrauen und fühlt: "Hier denkt jemand wirklich ganz fest an mich!"

Mit Singen der letzten Strophe:


Ein krankes Gummibärchen wollte weiterleben
Doch leider wurd' es operiert - und deshalb gings daneben!

ist das Gummibärchen in aller Regel tief betäubt und die eigentl. Operation kann beginnen.



e-mail (Klaus-Martin Klein, 1. Januar 1997)